HELIOS Klinik für Psychosomatische Medizin Bad Grönenbach
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Autor: Klinik für Psychosomatische Medizin Bad Grönenbach (24.11.00)
Störungsmodell: Wir sehen die Symptome der Borderline-Störung als Auswirkungen realer, traumatisierender Beziehungserfahrungen in der persönlichen Vorgeschichte. Diese Erfahrungen konnten nur unzureichend verarbeitet und in die persönliche Lebensgeschichte integriert werden. Dies tritt dann in verzerrten inneren Bildern von sich selbst, Anderen und Beziehungen in Erscheinung. Die Folgen davon sind strukturelle Defizite, die man an borderline-spezifischen Angstzuständen, einem diffusen Identitätsgefühl, Schwierigkeiten, Erfahrungen innerlich zu organisieren, Fremdheits- und Leereempfindungen etc. erkennen kann. Um diese Defizite zu kompensieren werden Bewältigungsversuche unternommen, die eigentlich als Selbstschutz gemeint sind, die aber in der Regel scheitern und selbst- oder beziehungsschädigend sind. Beispiele dafür sind Selbstverletzungen, Suchtverhalten, Zwänge sowie Kontrollversuche in Beziehungen, Präventivangriffe oder das Vermeiden von Autonomie in Beziehungen.
Behandlungsmodell und Ziele: Seit Mitte der 80er Jahre behandeln wir Menschen, die unter Borderline-Störungen leiden, nach einem spezifischen Ansatz. Unser Behandlungsmodell ist psychodynamisch-erfahrungsorientiert. Psychodynamisch orientiert bedeutet, die nicht bewußten inneren Prozesse wie Einstellungsmuster oder Denkschemata sowie die ungesunden Beziehungsmuster in ihrer destruktiven Dynamik zu verstehen und damit bewußt verändern zu können; Erfahrungsorientiert bedeutet, über reale, korrigierende emotionale Neuerfahrungen in einem ganzheitlichen Therapieprozess die inneren Bilder von sich selbst, Anderen und Beziehungen verändern und die strukturellen Defizite durch das Verbessern von eigenen Funktionen und Fähigkeiten beheben zu können. Ganzheitlich bedeutet, daß wir Methoden verwenden, die Denken, Fühlen und den Körper miteinbeziehen sowie ganz reale positiv-korrigierende Erfahrungen in der Beziehung zu den Therapeuten/innen und Mitpatienten/innen ermöglichen.
Therapiestrategien: In einem schrittweisen Vorgehen wird anfangs durch das Erarbeiten therapeutischer Verträge und anderer problemlösungs-fördernder Maßnahmen das selbst- und beziehungsschädigende Verhalten verringert. Gleichzeitig werden angemessenere Schutzfunktionen in der Selbstregulierung und der Beziehungsgestaltung erworben. Dies bereitet den Boden für die vertiefte oben beschriebene psychodynamisch-erfahrungsorientierte Arbeit. Die Wirksamkeit der Behandlung ist durch verschiedene Studien belegt, auf die Verwendung von empirisch untersuchten Methoden und Strategien wird Wert gelegt (siehe unter „Zusätzliche Informationen“).
Therapeutischer Rahmen: Die therapeutische Arbeit geschieht in Gruppentherapie und ergänzenden Einzelgesprächen. Es bestehen 4 Gruppen in zwei Abteilungen unserer Häuser, jeweils mit 10-11 Patienten/innen, geleitet jeweils von einer weiblichen und einem männlichen Therapeutin/en. Zusätzliche Angebote sind Gruppen zur Bearbeitung von Suchtproblemen, Eßstörungen, Körpertherapie, Kunsttherapie sowie eine gesonderte Unterstützungsgruppe für Frauen mit sexuellen Mißbrauchserfahrungen. Eingebettet ist das Behandlungskonzept in die Therapeutische Gemeinschaft der Gesamtklinik mit Patienten/innen mit unterschiedlichen Störungsbildern.
Zusätzliche Informationen: Für ausführlichere Informationen (auch zu den Aufnahmemodalitäten) verweisen wir auf unsere Homepage sowie auf einen Artikel, in dem unser Borderline Behandlungskonzept ausführlich dargestellt wird (zum Lesen dieses Artikels wird der Adobe Acrobat Reader benötigt).